Märkische Allgemeine: Keine bitteren Pillen

MEDIZIN Eine Waltersdorfer Firma wird ihre Betriebstätte deutlich ausbauen

Haemato Pharm will in den nächsten zwei Jahren 4,5 Millionen Euro investieren und die Belegschaft nahezu verdoppeln.

WALTERSDORF | Das Lager mit den Verpackungen quillt schon langsam über. Es ist noch gar nicht so lange her, da brauchten die Beschäftigten der Pharmafirma Haemato Pharm in Waltersdorf gerade mal eine Wand für das Regal mit den Kartons und Kisten. Nun ist der Raum bis zur Decke mit Verpackungen voll gestellt. Im Anbau nebenan sägen, hämmern und schrauben Arbeiter. Dort entstehen bis September ein neues Lager und neue Büros.

Firmenchef Martin Kalveram ist zufrieden. Haemato Pharm verkauft Medikamente, die besonders günstig sind. Grund für die Erweiterung der Geschäftsfläche von derzeit 800 Quadratmeter auf dann 1600 ist das rasante Wachstum der Firma. 2008 noch rangierte Haemato unter Deutschlands 900 größten Pharmaunternehmen, Mitte 2010 war es schon in den Top 50. Der Umsatz wuchs von 12,7 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 67,5 Millionen 2009 – eine Steigerung um mehr als 500 Prozent. Dieses Jahr laufen die Geschäfte noch besser, angepeilt sind 100 Millionen Euro Umsatz – eine Steigerung von rund 60 Prozent. Nach Angaben von Patrick Brenske ist Haemato Pharm das am schnellsten wachsende deutsche medizinische Unternehmen. „Wir haben einfach auf die richtigen Produkte gesetzt“, sagt der erst 26-jährige Verkaufsleiter. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Medikamente für die Krebs- und HIV-Behandlung. Die Firma kauft Produkte im Ausland ein, die hierzulande teurer sind. Der Freihandel in der EU macht’s möglich. Und die unterschiedlichen Gesundheitssysteme in den Mitgliedsländern auch. Ein importiertes Produkt kann so zwischen 10 und 20 Prozent billiger sein als eines, das sich auf dem deutschen Markt befindet – selbst, wenn es hier produziert wurde. Daher besteht die Produktion in Waltersdorf hauptsächlich im Umetikettieren oder Neuverpacken von Pharmapräparaten, die eine andere Firma hergestellt hat. Das geschieht im keimfreien Reinraum des Unternehmens. Im Importbereich ist Haemato Pharm bereits das sechstgrößte Unternehmen deutschlandweit, so Brenske. Die Waltersdorfer verkaufen außerdem Medikamente, die keinen Patentschutz mehr haben. Diese Nachahmer-Präparate, sogenannte Generika, sind bis zu 80 Prozent billiger als das Originalprodukt. In den kommenden zwei Jahren sollen zu den derzeit 52 Beschäftigten 50 weitere hinzukommen.

Mit den Kosten für den Anbau werden die Waltersdorfer dann 4,5 Millionen Euro investiert haben. Gefördert wird das von Bund, Land und EU mit 1,2 Millionen Euro. Nach dem Wunsch des Chefs sollen die Hierarchien flach bleiben. 2007 noch hat der 51-jährige Kalveram zusammen mit Brenske selbst noch Etiketten geklebt und die Produkte in Kartons gepackt hat. Das macht er auch manchmal jetzt noch, wenn er Zeit hat. Die Strategie des bodenständigen Unternehmers überzeugte auch das Potsdamer Gesundheitsministerium, als es im Winter anfragte, ob Haemato Pharm nicht den Vertrieb für den Schweinegrippe-Impfstoff übernehmen wolle. Beworben hatten sich die Waltersdorfer nicht darum. Kalveram besprach sich fünf Minuten mit Brenske, dann die Zusage. „Fast wie bei einem Familienunternehmen“, sagt er.

Das Waltersdorfer Unternehmen
* Gegründet wurde Haemato Pharm im Jahr 2005 in Luckenwalde. Gute Wachstumsperspektiven machten einen Umzug nötig, der 2007 erfolgte. Umbauarbeiten wurden im April 2009 abgeschlossen.

* Autobahn und Flughafen sprachen für Waltersdorf. Von hier aus lassen sich die Produkte schnell deutschlandweit versenden. In Zukunft sollen vermehrt Präparate per Flugzeug verschickt werden, was derzeit nur vereinzelt geschieht.

* 1600 Apotheken in ganz Deutschland zählen zu den Kunden von Haemato Pharm, genau wie Krankenhäuser und Pharma-Großhändler.

* Rund 210 Produkte importieren die Waltersdorfer aus dem EU-Ausland und verkaufen sie hier günstig weiter. Bis Ende des Jahres sollen es 250 werden. Außerdem haben sie sieben Nachahmer-Präparate im Portfolio, bald sollen 15 weitere Generika hinzukommen.

* Die Medikamente werden zu 75 Prozent in der Krebstherapie eingesetzt, zu 15 Prozent bei der Behandlung von HIV.

* Verkaufsleiter Patrick Brenske ist Chef der Aktiengesellschaft Mittelständische Pharma Holding (MPH). Ihr gehört Haemato Pharm zu 100 Prozent.

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