Lausitzer Rundschau: Im Sog des Hauptstadt-Airports

Flughafen Berlin Brandenburg zieht auch branchenfremde Firmen wie Haemato Pharm an

Berlin Wenn der Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER) am 3. Juni seinen Betrieb aufnimmt, werden auf seinem Areal bereits rund 20 000 Menschen arbeiten. Aber auch in seinem Umfeld entwickelt sich der neue Airport in Schönefeld (Dahme-Spreewald) zur Jobmaschine. In den ihn umgebenden Gewerbeparks kommt es zu immer mehr Neuansiedlungen.

 

In einigen Jahren, so erwarten Experten, wird es 40 000 Jobs am BER sowie in den von ihm angezogenen Firmen im Umfeld geben. Die Zukunftsagentur Brandenburg weist für die Jahre 2010 und 2011 in einem Airport-Umkreis von bis zu 30 Autominuten 211 Ansiedlungsprojekte mit bislang 9188 geplanten Arbeitsplätzen aus. Dabei handelt es sich vorwiegend um Stellen, die in Brandenburg und Berlin zusätzlich zu denen entstehen, die direkt am Flughafen in den Abfertigungs-, Sicherheits-, Wartungs- und Kontrollbereichen sowie in der Gastronomie geschaffen oder von Tegel dorthin verlagert werden. Denn der Sog des neuen Flughafens zieht auch luftfahrtfremde Betriebe an. Sie folgen dem Motto: Wo viel Geschäft ist, dort wird noch viel mehr Geschäft sein.

Als ein besonders markantes Beispiel dafür steht die Haemato Pharm AG. Mit Umsatzzuwächsen von jährlich 30 Prozent ist sie voll auf Expansion eingestellt. 2005 startete die Firma als Kleinstbetrieb im Biotechnologiepark Luckenwalde, wo sie ein Jahr später vier Beschäftigte hatte. 2009 zog Haemato in den Lilienthalpark Schönefeld-Waltersdorf um. Hier hat sie ihre Flächen mittlerweile auf 1800 Quadratmeter mehr als verdoppelt, die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf 80. Ende 2012 könnten es schon mehr als 100 sein, berichtet Vorstand Martin Kalveram. Der Umsatz kletterte von einer Million Euro 2006 auf 145,5 Millionen 2011. Zuletzt wurde ein Jahresüberschuss von 8,64 Millionen Euro erwirtschaftet.

Das Unternehmen trägt dazu bei, die Kosten im deutschen Gesundheitswesen zu dämpfen. Denn Haemato lässt bei Partnern Generika produzieren, die bis zu 80 Prozent billiger als Original-Arzneimittel sind, aber die gleichen Wirkstoffe enthalten. Außerdem nutzt Haemato den Umstand, dass große Pharmaunternehmen ihre Produkte auch im Ausland produzieren und in einer Reihe von europäischen Ländern deutlich billiger abgeben als in Deutschland. Die Firma kauft solche Arzneimittel im Ausland günstig auf und gibt sie an ihre deutschen Kunden, darunter Tausende Apotheken, besonders preiswert weiter.

Nach Angaben des Verbandes der Arzneimittel-Importeure Deutschlands ermöglichen Generika sowie der preiswerte Import von Marken-Arzneimitteln durch Firmen wie Haemato hierzulande jährlich Einsparungen von fast drei Milliarden Euro. In diese Zahl eingerechnet ist allerdings der Preisdruck, den die günstigen Importe auf die Hersteller von Original-Arzneimitteln ausüben.

Haemato besitzt bereits Zulassungen für den Vertrieb von 603 Präparaten. Es handelt sich um Medikamente zur Therapie von Krebs, Aids, Rheuma, Herz-Kreislauf- sowie neurologischen Erkrankungen. Im Ausland aufgekaufte Medikamente werden im Lilienthalpark umverpackt. Sie erhalten eine deutsche Beschriftung und deutsche Beipackzettel. Die Arbeit erfolgt in Reinräumen. Derzeit realisiert Haemato nur ein Prozent seines Geschäfts per Luftfracht. Das hat zum einen damit zu tun, dass solche Sendungen jetzt noch über den Flughafen Tegel am anderen Ende Berlins abgewickelt werden. Zum anderen ist das junge Unternehmen bei der Entwicklung seiner Auslandspräsenz noch lange nicht am Ende.

Nach der Inbetriebnahme des BER wird der Transport per Flieger bei Haemato in den kommenden Jahren auf zehn Prozent steigen, prophezeit Kalveram. Luftfracht lohne sich vor allem, wenn kleine Mengen über sehr große Entfernungen schnell ans Ziel gelangen müssen. Das Gros der Transporte wird Haemato auch zukünftig per Lkw abwickeln. Und gerade das war ein Grund für den Umzug nach Schönefeld-Waltersdorf. Denn im Umfeld des BER haben sich bereits Logistikunternehmen niedergelassen, mit denen der Pharmabetrieb zusammenarbeitet.

So zeigt dieses Beispiel, wie Ansiedlungen weitere Ansiedlungen nach sich ziehen. Gleich neben dem Pharmabetrieb bauen mit Romantis ein Anbieter von Satelliten-Kommunikationsdienstleistungen und mit I-Point ein Messe- und Bühnenbaubetrieb ihr Geschäft aus. Nur wenige Kilometer entfernt vom Lilienthalpark liegen die Gewerbezentren Kienberg, Gatelands und Business Park Berlin, während sich die Airport City mit ihren Dienstleistern direkt an den Terminals befindet. Weiter östlich in Wildau (alles Dahme-Spreewald) befindet sich das Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

In diesem Cluster betreibt zum Beispiel die Firma AneCom ein Testzentrum, in dem Aerodynamik, Strömungsverhalten und Geräuschentwicklung von Kraftwerks- und Flugzeugturbinen ermittelt werden. Neu am Standort ist der amerikanische Triebwerksentwickler Florida Turbine Technologies. Westlich des Airports haben sich im Güterverkehrszentrum Großbeeren unter anderen die Logistiker von DB Schenker (Bahn), Lekkerland und Zalando (Online-Händler) niedergelassen. Siemens und Volkswagen errichteten in Ludwigsfelde Logistikzentren für Auto- beziehungsweise Kraftwerks-turbinenteile. Siemens baut derzeit dort auch ein Testzentrum für Gasturbinen.

Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce hat seinen Standort Dahlewitz um ein 65 Millionen Euro teures Testzentrum erweitert und investiert derzeit weiter in ein Logistikzentrum. Er beschäftigt in Dahlewitz bereits 2200 Mitarbeiter.

Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER) finden Sie unter www.lr-online.de

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Rund 100 Arbeitsplätze bringt eine Mercedes-Ansiedlung direkt am Flughafen. Kunden können in diesem Autohaus künftig während ihrer Reise ihre Fahrzeuge warten lassen. Für Fahrten in die Region stellt Mercedes Mietwagen bereit. Insgesamt gibt es in einem Flughafenumkreis, der vom Zentrum Berlins bis Mittenwalde im Süden und von Freienbrink im Osten bis Stahnsdorf im Westen reicht, 34 Gewerbeparks.

Rolf Bartonek

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